Cannabis auf Privatrezept: So läuft es ab
· 3 Min. Lesezeit· Gilt für Deutschland· Zuletzt geprüft am
Seit Blüten aus der Kassenleistung gefallen sind, führt der Weg über das Privatrezept. Wer darf es ausstellen, wie kommt man dran, und worauf muss man beim Einlösen achten.
Stand: 13. September 2026 · Gilt für: Deutschland
Nach der Streichung der Blüten aus der GKV zum 30. Juli 2026 ist das Privatrezept der einzige verbleibende Weg zu verordneten Cannabisblüten.
Seit Blüten keine Kassenleistung mehr sind, landet fast jede Frage zur Cannabistherapie beim selben Thema: dem Privatrezept. Der Ablauf ist weniger kompliziert, als er klingt — aber er hat drei Stellen, an denen Geld und Zeit verloren gehen.
Wer verschreiben darf
Alle approbierten Ärztinnen und Ärzte dürfen medizinisches Cannabis verordnen, ausgenommen die Zahnmedizin. Eine Zusatzqualifikation ist nicht vorgeschrieben. Die Verordnung muss medizinisch begründet sein — das ist die eigentliche Hürde, nicht die Formalität.
In der Praxis heißt das: Die Hausärztin darf, muss aber nicht. Viele Praxen lehnen ab, weil sie mit dem Thema keine Erfahrung haben. Das ist einer der Gründe, warum sich Telemedizin-Anbieter etabliert haben.
Genau dieser Weg steht zur Debatte: Ein Gesetzentwurf will die Erstverordnung von Blüten an einen persönlichen Arztkontakt binden. Er ist nicht beschlossen — Stand und Wortlaut stehen im Artikel Telemedizin und Versandapotheke.
Der Ablauf
- Anamnese. Vorerkrankungen, bisherige Therapien, warum sie nicht ausgereicht haben. Wer Befunde mitbringt, spart eine Runde.
- Sprechstunde — in der Praxis oder per Video. Reine Fragebogen-Verfahren ohne ärztlichen Kontakt sind kritisch zu sehen; eine Verordnung ohne Gespräch ist kein gutes Zeichen.
- Rezept. Seit dem 1. April 2024 ist medizinisches Cannabis kein Betäubungsmittel mehr, sondern fällt unter das Medizinal-Cannabisgesetz. Ein reguläres Rezept genügt, ein BtM-Rezept ist nicht mehr nötig.
- Einlösen. In der Apotheke vor Ort oder bei einer Versandapotheke.
Die drei teuren Stellen
Erstens: die Beratungsgebühr
Die Erstberatung ist eine Privatleistung und wird nach GOÄ abgerechnet. Die Spanne ist groß. Frag vorher nach dem Betrag — und danach, ob Folgerezepte extra kosten.
Zweitens: die Apotheke
Das Rezept ist an keine Apotheke gebunden. Zwischen der günstigsten und der teuersten Apotheke liegen bei derselben Sorte schnell mehrere Euro je Gramm. Bei einer Monatsmenge von 30 Gramm ist das ein dreistelliger Betrag. Wer das Rezept in der erstbesten Apotheke einlöst, verschenkt genau diesen Betrag.
Drittens: die Sorte
Ärztinnen und Ärzte können eine bestimmte Sorte verordnen oder nur den Wirkstoffgehalt vorgeben. Je enger die Vorgabe, desto weniger Spielraum hat die Apotheke beim Preis — und desto eher ist die Sorte gerade nicht lieferbar.
Wo man Anbieter findet
Im Verzeichnis stehen Anbieter für die Online-Sprechstunde unter Ärzte & Telemedizin. Das ist eine Übersicht, keine Empfehlung: Wir prüfen, ob ein Eintrag existiert und die Angaben stimmen — nicht, ob eine Behandlung für dich richtig ist. Versendende Apotheken stehen unter Apotheken; welche Sorten es überhaupt gibt, steht unter Sorten.
Was dieser Text nicht ist
Dieser Artikel gibt den Stand der Regeln wieder, keine Rechts- und keine Medizinberatung. Ob eine Therapie sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt; ob eine Kasse im Einzelfall zahlt, entscheidet die Kasse. Wir verkaufen weder Cannabis noch Rezepte und verdienen an keiner Verordnung.
Quellen
Passend dazu im Verzeichnis
Häufige Fragen
- Wer darf ein Privatrezept für medizinisches Cannabis ausstellen?
- Alle approbierten Ärztinnen und Ärzte mit Ausnahme der Zahnmedizin dürfen medizinisches Cannabis verschreiben, sofern es medizinisch begründet ist. Eine besondere Zusatzqualifikation ist dafür nicht vorgeschrieben.
- Brauche ich ein Betäubungsmittelrezept?
- Nein. Cannabis zu medizinischen Zwecken wurde zum 1. April 2024 aus Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes gestrichen und in das Medizinal-Cannabisgesetz überführt. Ein reguläres Rezept genügt.
- Muss ich das Privatrezept in einer bestimmten Apotheke einlösen?
- Nein. Ein Privatrezept ist nicht an eine Apotheke gebunden. Da die Preise je Gramm zwischen Apotheken erheblich schwanken, lohnt der Vergleich vor dem Einlösen.
- Übernimmt die Krankenkasse die Kosten eines Privatrezepts?
- Bei getrockneten Cannabisblüten nicht mehr — sie sind seit dem 30. Juli 2026 aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen. Die Kosten trägt man selbst. Private Krankenversicherungen und die Beihilfe entscheiden nach eigenen Bedingungen.