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Dünger selbst mischen – lohnt sich das?

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Wieso mischt eigentlich kaum jemand seinen Dünger selbst?

Natürlich müsste ich einiges an Rezepten durchprobieren, bis die Versorgung wirklich stimmt, aber den Stickstoff würde ich zum Beispiel über Hornspäne einbringen und müsste mich dann „nur“ noch mineralisch um die Mischung aus Phosphor und Kalium kümmern.

In Hydrokultur würden verschiedene Mikronährstoffe fehlen, aber auf Erde wäre das Mischen doch recht simpel, oder?

Im Blick habe ich vor allem Superphosphat und Patentkali.

Nachtrag: Ammoniumnitrat wäre auch zu bekommen.

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Meine Einschätzung zum Selbermischen:

Sich komplett mineralischen Dünger aus den einzelnen Zutaten zusammenzustellen, zahlt sich meiner Meinung nach nicht aus.

Ein 25-kg-Sack Blaukorn Universaldünger liegt bei etwa 30 € und dürfte für 5000 Grows reichen. Da steht der Aufwand in keinem Verhältnis. Der ideale Dünger für jede Phase ist es zwar nicht, aber ein guter Allrounder zu einem extrem niedrigen Preis, je nachdem, welche Ansprüche man hat.

Wie ich selbst dünge:

Direkt mit mineralischem Dünger anzufangen, ist nicht mein Ding. Am Anfang braucht die Pflanze ohnehin nur wenig Nährstoffe, und die ersten sechs Wochen lassen sich problemlos organisch überbrücken. So bleiben Bodenleben, Pilze und der Rest lange erhalten. Außerdem riskiert man weniger, sich das Substrat zu versalzen.

Mineralisch dünge ich ab der zweiten Blütewoche, vor allem aber, weil ich in kleinen Töpfen growe und organischer Dünger dann an seine Grenzen stößt. Bei Töpfen über 15 Liter würde ich auf mineralischen Dünger wahrscheinlich ganz verzichten.

Weil er lange wirkt und die Nährstoffe langsam abgibt, eignet sich organischer Dünger prima, um die Erde schon vorab vorzubereiten. Die Nährstoffe kommen erst nach ein paar Tagen frei und stehen dann über Wochen gleichmäßig zur Verfügung. Das spart Arbeit und reduziert Fehler.

Etwas Hornspäne, ein wenig Urgesteinsmehl und bei Bedarf etwas Guano oder Hühnermist ins untere Drittel des Topfes in die Erde einarbeiten, und man hat gut fünf Wochen Ruhe. Danach kann man noch einmal mit stark verdünnter Brennnesseljauche (1:20) gießen, und damit kommt man bis zur Blüte. In der Blüte gebe ich dann mineralischen Dünger mit überwiegend Kalium und Phosphor über das Gießwasser, etwa alle sechs Tage. Da ich nicht viel davon brauche, nehme ich einfach einen fertigen Blumen- bzw. Blütedünger. Die rund 10 € sind mir das wert, und die Menge reicht für ungefähr 15 Pflanzen. Man kann natürlich auch überteuerte Spezial-Hanfblütendünger zum dreifachen Preis kaufen, ob die besser sind, weiß ich allerdings nicht. Ich schaue auf das NPK-Verhältnis, und irgendetwas um 3-5-5, 3-5-6 oder 3-6-5 passt für mich. Wichtig ist nur, dass der Stickstoff etwa halb so hoch dosiert ist wie Phosphor und Kalium. Zu genau muss man das nicht nehmen.

Die Strategie ist bei mir bisher immer aufgegangen, und weil ich erst spät mineralisch anfange, ist die Gefahr einer starken Versalzung der Erde deutlich kleiner. Dazu kommt der wirklich geringe Aufwand.

Alle zwei Tage eine auf den Stand der Pflanze abgestimmte Mischung aus mehreren Komponenten zusammenzurühren, dazu pH und EC messen und gegebenenfalls nachkorrigieren, wäre mir zu viel. Mit etwas Gefühl, eher zurückhaltender Düngung und den ersten sechs Wochen organisch braucht man das nicht. Dass alles aus dem Ruder läuft, ist unwahrscheinlich, weil man bei diesem Vorgehen nur etwa vier Wochen mineralisch düngt, nämlich ungefähr von Blütewoche zwei bis sechs. In der letzten Woche wird nicht mehr gedüngt, damit die Salze in der Pflanze umgebaut werden.

Theorie (Anfänger) gegen Praxis (Experte):

Gut möglich, dass man als absoluter Experte mit perfekt abgestimmter mineralischer Düngung mehr herausholt. Ich beobachte aber oft das Gegenteil. Dieses Feingefühl für die richtige Dosierung, passend zu Genetik, Lichtmenge, Wasser und so weiter, haben die wenigsten. In professionellen Betrieben, die Medizinalhanf anbauen und schon zehn Runs mit Stecklingen derselben Mutterpflanze hinter sich haben, mag das anders sein. Die haben Referenzwerte, gleiche Bedingungen und können über Versuche immer weiter optimieren.

Ein Privatgrower hat dagegen jede Menge Unbekannte, und mit Samen, die unterschiedliche Genetik mitbringen, wird es nicht leichter. Als Beginner macht man bei rein mineralischer Düngung mit hoher Wahrscheinlichkeit Fehler und braucht wohl mindestens drei Grows, um überhaupt ein Gefühl dafür zu entwickeln. Erlebnisse mit Überdüngung oder versalzenem Substrat gehören da ziemlich sicher dazu.

Deshalb sage ich: Für Anfänger ist organischer Dünger einfacher. Der steckt viele Fehler weg. Versalzung ist kaum zu erwarten, und Überdüngen ist vergleichsweise ebenfalls schwerer. Mineralisch zu düngen empfehle ich nur bei kleinen Töpfen, wenn es eben nötig wird, oder bei kritischen Mängeln, wenn die Nährstoffe schnell da sein müssen.

CalMag rechne ich zu den Mikronährstoffen, das ist noch eine andere Geschichte und hier von mir nicht weiter erwähnt. Anfängern mit starken LED-Lampen würde ich CalMag allerdings früh empfehlen, weil es dort einfach nötig ist.

Mein Fazit daraus:

Es gibt Dinge, die theoretisch besser sein können, mineralischer Dünger gehört dazu, die aber ohne jahrelange Praxis und gleichbleibende Bedingungen für Anfänger eher schlechter sind. Es passieren Fehler, die mit organischem Dünger nicht passieren. Also holt ein Anfänger mit organischem Dünger sehr wahrscheinlich das bessere Ergebnis heraus.

Trotzdem wird man durch Fehler und Erfahrung besser, und wer sich mineralische Düngung oder gleich Hydrokultur zutraut, soll das machen. Erfahren kommt niemand auf die Welt. Wer es sich leicht machen will, nimmt die oben beschriebene, ganz oder überwiegend organische Methode.

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Damit hast du das Thema Düngen insgesamt gut auf den Punkt gebracht. Für Erde ist dein Weg, zunächst organisch zu düngen und später bei Bedarf mineralischen Blütedünger dazuzugeben, genau richtig, um Arbeit und Fehler klein zu halten.

Beim Blaukorn musste ich kurz überlegen. Dass etwas ins Grundwasser ausgewaschen wird, droht bei einem Indoorgrow jedenfalls nicht. Draußen sollte man damit wohl äußerst sparsam umgehen.

Ich überlege, einen kleinen DWC-Grow zu machen, und bin deshalb auf die oben genannten Rohstoffe gekommen. Auch da ist ein Fertigdünger dann wohl sinnvoller als kiloweise Rohstoffe. Das Patentkali könnte als Zuschlagstoff aber interessant sein.

Vielen Dank, das bringt mich bei meinen Überlegungen, was ich noch ausprobieren könnte, deutlich weiter.

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Mineralische Dünger, auch die flüssig gelösten, sind direkt im Garten eingesetzt alle nicht gut für Natur, Lebewesen und Grundwasser, erst recht in großen Mengen.

Blaukorn habe ich nur als Beispiel für einen mineralischen, ausgewogenen, günstigen und effizienten Universaldünger genannt, um zu zeigen, dass sich der Aufwand für einen eigenen mineralischen Dünger eher nicht lohnt. Man kriegt riesige Mengen für sehr wenig Geld. Dazu noch einen P+K-Dünger, und der Nährstoffbedarf in der Blütephase wäre ebenfalls ideal gedeckt. Damit hätte man theoretisch alles für einen kompletten Grow, sofern es extrem günstig sein muss. Empfehlen will ich das aber nicht. Es ging mir um den wirtschaftlichen Blickwinkel, also möglichst billig und mineralisch, und nicht um eine Empfehlung.

Bei einer komplett selbst gemischten Düngerlösung aus einzelnen Zutaten kommt übrigens noch dazu, dass der pH-Wert passen muss, dass für Pflanzen geeignete Salze zum Einsatz kommen und dass der EC-Wert möglichst niedrig bleibt. Die Hersteller haben das für Pflanzen längst optimiert.

Für nur drei erlaubte Pflanzen würde ich das nicht machen wollen. Wäre am Ende auch wieder ein Experiment mit vielen Unsicherheiten.

Gerade wenn du mit DWC neu anfängst, ist es klug, sich möglichst keine zusätzlichen Risiken einzubauen. Mit fertigen Düngern und deren bekannten Dosierangaben hast du Sicherheit und kannst planen. Bei zu vielen unbekannten Variablen treten zu viele Probleme auf, die man nicht auf Anhieb zuordnen und lösen kann. Sich langsam an etwas Neues herantasten ist ratsam, und wenn du dann weißt, wie alles funktioniert, kannst du später sicher mal eigene Dünger mischen und ausprobieren.

Das mit dem Patentkali klingt interessant. Eine CalMag-Alternative ist es aber offensichtlich nicht, weil es aus Kalium, nicht Calcium, und Magnesium besteht. Ob diese Mischung sinnvoll ist beziehungsweise wie man sie sinnvoll kombiniert, weiß ich nicht. Gerade Blütedünger enthalten ja ordentlich Kalium.

Ein konzentrierter CalMag-Dünger als Alternative zu den überteuerten CalMag-Fertiglösungen mancher Hersteller wäre klasse. Dolomitkalk und Urgesteinsmehl liefern das zwar, sind aber nur schwach konzentriert und werden vermutlich auch eher langsam verwertet.

Archiv-Mitglied CArchiv · redaktionell

Warum sollten mineralische Dünger von vornherein schädlicher sein als organische? Bei beiden ist es die Dosis, die das Gift macht! Beim organischen Überdüngen denke ich etwa an Bauern, die zu viel Odel auf die Felder kippen.

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Weil mein biochemisches Wissen nicht so groß ist, hier die Antwort einer KI:

Organische Dünger liefern N, P und K überwiegend gebunden und nicht als sofort lösliche Salze. Stickstoff steckt in Proteinen oder Aminosäuren, Phosphor meist in organischen Verbindungen und Kalium teilweise in pflanzlichen Strukturen. Diese Nährstoffe müssen erst mikrobiell freigesetzt werden und gelangen dadurch langsam und gleichmäßig in die Bodenlösung. So entstehen keine Salzspitzen, wie sie bei mineralischen Düngern vorkommen, die fast nur aus sofort löslichen Ionen bestehen. Gleichzeitig puffert die organische Substanz den Boden und verhindert, dass Phosphor und Kalium binnen kurzer Zeit hohe Konzentrationen erreichen. Insgesamt wirken organische Dünger deshalb milder, versalzen weniger und schonen den Boden.

Es gibt durchaus auch aggressivere organische Dünger. Gülle zum Beispiel gehört dazu. In Gülle steckt viel Ammonium in Salzform, deshalb wirkt sie schnell und ähnlich aggressiv wie mineralischer Dünger.

Natürlich versalzt man sein Substrat nicht automatisch, wenn man mineralisch düngt. Nur geht es eben deutlich schneller. Gibt man immer etwas zu viel mineralischen Dünger, sammelt sich das unten im Topf an. Irgendwann kommt die Nährstoffsperre und die Pflanze zeigt Mängel. Viele denken dann, die Pflanze habe einen Mangel, und düngen noch mehr. Dann wird es richtig kritisch.

Mit milden organischen Düngern passiert so etwas so gut wie nie. Sie wirken langfristig, und regelmäßiges Düngen kann man sich sparen.

Ich bevorzuge deshalb persönlich organischen Dünger in Kombination mit Erde, solange sich der Nährstoffbedarf der Pflanze damit noch decken lässt. Ist der Bedarf zu hoch, etwa wegen eines kleinen Topfes oder in der Blütephase, und organisch nicht mehr zu decken, erst dann empfehle ich mineralischen Dünger.

Machen kann das natürlich jeder, wie er möchte. Mit dem richtigen Feingefühl kann man auch dauerhaft mineralisch düngen. Darum habe ich in meinen Texten „ich persönlich“ geschrieben. Richtig oder falsch gibt es auch hier nicht. Meine Empfehlung setzt auf eine möglichst anfängerfreundliche Methode. Und mit entsprechend vorbereiteter, organisch gedüngter Erde spart man sich zusätzlich Zeit.

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Organischer Dünger hat gegenüber dem mineralischen den Vorteil, dass er die Bodenlebewesen füttert und damit die Nahrungskette stützt.

Jedenfalls draußen in der freien Natur.


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