Die Haltung, dass man als Einsteiger unbedingt "Cannabiserde", "Cannabisdünger" und weitere Spezialartikel aus dem Growshop bräuchte, teile ich überhaupt nicht, im Gegenteil.
Das behauptet er im Vortrag eigentlich gar nicht. Er sagt lediglich, dass man mit einer speziellen Cannabiserde wie "Lightmix" leichter eine passende Erde findet. Grundsätzlich nennt er aber Kräutererde beziehungsweise Keimungserde als geeignet für die Anzucht.
Unterm Strich heißt das nur: greift man zu Lightmix, ist die Wahrscheinlichkeit groß, eine Erde zu erwischen, deren Nährstoffe für Cannabis in der Keimung und den ersten Wochen danach gut passen. Andere Erden gehen genauso, man muss sich dann eben vorher etwas einlesen, um nicht selbst der erste Tester zu sein und am Ende mit einer wenig geeigneten Erde dazustehen.
Eine Garantie, dass alles glattläuft, gibt es aber sowieso nie. Der pH-Wert des Leitungswassers, Temperatur, Licht, Luftfeuchte und das Gießverhalten zählen genauso wie die richtige Erde. Auch mit passender Erde kann es schiefgehen, wenn die übrigen Bedingungen nicht stimmen. Und Schädlinge können einen immer erwischen, direkt aus der Erde, von Nachbarpflanzen in der Wohnung, durchs Fenster hinein oder draußen beim Outdooranbau.
Meinen allerersten Autoflower-Grow, den ich nie irgendwo gezeigt habe, habe ich mit der billigsten B1-Blumenerde aus dem Baumarkt gefahren. Auch das lief. Die Erde war sehr grob und für die Keimung eigentlich nicht das Richtige, aber wenn man aufpasst, dass nicht gerade ein dicker Ast über dem Samen liegt, geht das. Dazu kam noch ein Befall mit Minierern, vielleicht aus der Erde. Trotzdem wurden die Autos in dieser kostengünstigen Blumenerde am Schluss 1,5 Meter hoch und haben je Pflanze rund 50 g getrocknet gebracht. Für Autoflower draußen finde ich das ordentlich.
Mir macht es auch Spaß, mal vorzuführen, dass es nicht immer die Standardprodukte nach Standardplan sein müssen, sondern dass es ebenso anders geht.
Beim Düngen finde ich es stellenweise extrem, wie abhängig sich manche Grower von bestimmten Produkten und deren Düngeplan machen. Ich habe oft genug gesehen, dass genau daran ein Grow wegen Überdüngung gescheitert ist. Ein exakter Plan funktioniert beim Cannabisanbau nämlich häufig nicht, weil in einen Homegrow so viele Variablen hineinspielen, dass ein Düngeschema nach Kalender nicht passt. Viel wirksamer ist es aus meiner Sicht, die Pflanzen anzuschauen und daraus abzuleiten, was sie brauchen, statt nach Schema X eine feste Menge zu geben, nur weil der Hersteller das so vorgibt. Mineralischer Dünger kann falsch eingesetzt großen Schaden anrichten. Erst prüfen, dann handeln, ist da entscheidend. Nur nach Zeitplan zu handeln, ist keine gute Idee.
Speziell beim Düngen gibt es reichlich Wege, auf bestimmte Markenprodukte zu verzichten, und man spart sich damit oft gleichzeitig Zeit, Stress und Geld. EC-Meter und pH-Messung braucht man gar nicht, wenn man organisch arbeitet und ordentlich kontrolliert, wie es den Pflanzen geht.
Im Kern sind wir uns also einig. Überteuerte "Markenprodukte" sind auch nicht mein Ding. Ich verstehe aber ebenso, dass man keine Experimente riskieren will, wenn ein einzelner Samen über 10 € gekostet hat. Das muss jeder für sich entscheiden. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte nachlesen, welche Erden sich bei Keimlingen bewährt haben. Ansonsten freue ich mich immer, wenn experimentiert wird. Ohne solche Versuche wüsste niemand, welche günstigeren Erden ebenfalls gut funktionieren.
Für Anfänger sind das meiner Meinung nach außerdem deutlich zu viele Informationen auf einmal.
Knapp und "effizient" war der Vortrag nicht, aber ich fand ihn interessant, keineswegs langweilig und im Ganzen einen guten Überblick. Anfänger zu sein heißt ja nicht, dass man nichts Neues dazulernen will. Gerade wer ein neues Hobby anfängt, ist meistens besonders wissbegierig.
Dass man nicht alles im Vortrag zu 100 % unterschreibt, ging mir genauso. Aber es war nichts dabei, wo ich sagen würde, das ist absoluter Quatsch. Bei manchem gibt es Interpretationsspielraum, und mehrere Wege führen zum Ziel.
Das Ausdünnen zum Beispiel, wo die unteren zwei Drittel entfernt wurden, halte ich für den Outdooranbau für zu viel. Zieht man die Triebe stattdessen durchs Herunterbinden auseinander, holt man beim möglichen Ertrag meiner Meinung nach mehr heraus. Außerdem wandert draußen die Sonne um die Pflanze herum, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Gerade outdoor muss man nicht so stark lollipoppen wie indoor. Platz ist draußen ja da, also lieber herunterbinden als 66 % abzuschneiden.