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Zu viel Sonne auf dem Balkon? DLI-Werte im Check

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Seit 8 Wochen habe ich zwei Photoperiodische auf dem Balkon, eigentlich deutlich zu früh. Ist es kalt (unter 10 °C), hole ich sie rein, bei warmem Wetter stelle ich sie nach draußen. Der Balkon liegt in Süddeutschland und zeigt nach Süden, wobei Gebäude und Bäume einen Teil der Einstrahlung wegnehmen. Seit einem Monat bestimme ich die tägliche Lichtmenge mit einem Fyta Beam g.1 Sensor.

Im April kam ich auf ein DLI von 60 mol/m2/d, das entspricht 18 Stunden Licht pro Tag bei einer PPFD von über 800 mol/m2/s – und das, obwohl der Monatsanfang ziemlich kalt und dunkel war. Unterm Strich also viel Licht und eigentlich zu viel. Die Fyta-App warnt mich auch vor zu viel Licht.

Dass ich zu dieser Jahreszeit zu viel Tageslicht haben könnte, hätte ich nicht gedacht.

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Sonnenlicht und LED-Growlampen lassen sich nicht wirklich eins zu eins vergleichen.

Das Lichtspektrum unterscheidet sich stark. LED-Growlampen haben in der Regel erheblich mehr Blau im Spektrum und dafür weniger Rot. Infrarot fehlt bei ihnen fast vollständig.

Die Sonne bringt weniger Blau, dafür viel Rot und auch Infrarot.

Durch das Infrarotlicht transpiriert Cannabis besser, und deshalb läuft auch der Nährstofftransport besser. Der UV-Anteil der Sonne sorgt dafür, dass die Pflanzen einen Schutz aufbauen (ähnlich wie bei Menschen, die braun werden und dann langsamer einen Sonnenbrand bekommen).

Die DLI-Richtwerte taugen nur für Growlampen und lassen sich nicht auf Sonnenlicht übertragen. Für die Pflanze sind das einfach andere Bedingungen.

Blaues Licht ist energiereicher und sorgt dafür, dass die Pflanze Blätter ausbildet. Wird die Grenze der Pflanze dort überschritten, wirkt sich das in Form von Lichtstress negativ auf sie aus.

Wenn man Cannabis langsam an die Sonne gewöhnt und bei den Keimlingen vorsichtig ist, hat es kein Problem damit, die volle Dröhnung Sonne abzubekommen. Es ist sogar gut. In der Natur, wo die Pflanze heimisch ist, ist es genauso. Diese Umgebung kennt sie bestens, sie trägt es in ihren Genen.

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Eine Sache habe ich noch vergessen zu erwähnen, die sicherlich auch entscheidend ist (nachträglich ändern kann ich den Beitrag oben leider nicht mehr):

Die Sonne ist nicht so konstant wie künstliches Licht.

Zum einen schwankt die Lichtintensität sehr, durch die Sonnenhöhe (Sonnenauf- und Sonnenuntergang) und die Bewölkung, zum anderen dreht sich die Erde. Die Sonne wandert damit um die Pflanze herum und beleuchtet je nach Uhrzeit andere Stellen stärker.

Das kann eine Growlampe nicht bieten, die leuchtet immer mit gleicher Intensität aus dem gleichen Winkel.

Archiv-Mitglied CArchiv · redaktionell

Hier war die gesamte letzte Woche sehr sonnig und kaum bewölkt. Das würde ich auch als sehr hell empfinden.

Vielleicht gleicht sich das über die Zeit noch aus.

Hast du eine Kurve, die Zeit und Lichtintensität zeigt?

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Ja, den habe ich:

[Bild nicht übernommen]

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Also das Fyta Beam ist auf Sonnenlicht eingestellt und ermittelt den DLI, es misst also kontinuierlich mit und erfasst damit auch Schwankungen in der Sonneneinstrahlung.

Ich finde es schon interessant, dass bereits Ende April eher zu viel Licht auf den Balkon fällt. Bisher war ich der Meinung, dass Hanf gar nicht genug Sonne bekommen kann.

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell
Bisher war ich der Meinung, dass Hanf gar nicht genug Sonne bekommen kann.

Hanf liebt Licht sehr und kommt mit viel direkter Sonne hervorragend zurecht. Jedenfalls dann, wenn er vorher langsam daran gewöhnt wurde.

Direkt von drinnen in die pralle Sonne gestellt, kann das natürlich Stress auslösen, weil sich die Pflanze erst an die deutlich höhere Licht- und UV-Intensität anpassen und entsprechende Schutzmechanismen aufbauen muss. Ist sie aber vernünftig abgehärtet, ist volle Sonne ab etwa der zweiten Woche normalerweise kein Problem.

Hanf stammt nicht aus dunklen, schattigen Bedingungen, sondern wächst seit Jahrtausenden in warmen, sonnenreichen Regionen und wird dort angebaut. Viel Licht zu verwerten liegt ihr also im Blut.

Solange sie gesund aussieht und gut wächst, würde ich eher der Pflanze selbst, ihrer Biologie und der langen Anbaugeschichte unter voller Sonne vertrauen als der Einschätzung einer App.

In der Praxis hatte ich noch nie ein Problem mit zu viel Sonne, eher umgekehrt: Wenn zu wenig Sonne kam (starke Bewölkung über mehrere Tage), wurden die Pflanzen eher hoch und weniger buschig. Am besten getan haben meinen Cannabispflanzen insgesamt lange Tage mit viel Sonnenschein, von Lichtstress war da keinerlei Anzeichen zu sehen.

Archiv-Mitglied CArchiv · redaktionell

Bei Werten um die 50 mol/m²/d wäre die Lichtintensität optimal.

Der Ausreißer mit über 140 mol… kommt mir komisch vor und verschiebt den sonst optimalen Durchschnitt stark.

Der Medianwert dürfte bei 70 liegen, was ich beim momentan wolkenklaren Wetter nicht weiter hinterfragen würde

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Für Deutschland wären an einem sonnigen Tag etwa diese Werte realistisch:

• April: 50 mol/m²/Tag • Mai: 61 mol/m²/Tag • Juni: 65 mol/m²/Tag • Juli: 63 mol/m²/Tag • August: 54 mol/m²/Tag

Die App liegt damit auf jeden Fall etwas neben der Realität, gerade beim Ausreißer. So ein hoher Wert ist nicht erreichbar.

Ich habe hier eine Studie gefunden, die DLI-Messungen des Tageslichts in der Slowakei nach Monaten zeigt:

mdpi.com/2076-3417/15/22/12254

Und hier der Direktlink zur Grafik (mdpi.com/applsci/applsci-15-12254/article_dep…)

Die Slowakei liegt ebenfalls in der warm-gemäßigten Klimazone. Zur Orientierung und als Plausibilitätscheck taugt das einigermaßen.

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

An einem Tag war beim DLI tatsächlich ein Ausreißer dabei. Vielleicht hat da etwas auf den Sensor reflektiert.


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